Der zweite Weltkrieg in Nienhagen
Der 2. Weltkrieg war der Krieg sämtlicher Großmächte in der Mitte des
20.Jahrhunderts. Während des Krieges wurde weltweit sehr viel zerstört. In
Nienhagen aber gab es nur sehr wenige Angriffe. Es gab neben den auch heute noch
erkennbaren Höfen nur sehr wenige Häuser, nämlich die der heutigen Familien
Meier, Plogstert, Stölting, Hofmeister, Berg und Bröffel (3). Es gab keine
Siedlung, sondern fast nur Ackerfläche. Die ersten Fortschritte in Form einer
Wohnsiedlung wurden 1957 mit dem Bau des ersten Vierfamilienhauses in Gang
gesetzt.
Das war der Krieg
Die Straße zwischen Ober- und Unternienhagen war eine Durchfahrtstraße für
(britische) Panzer. Ein Bahnhof mit zwei Bahngleisen war auch vorhanden, womit
der Transport von Soldaten stattfand. Neben dem Bahnhof in Unternienhagen befand
sich eine Gaststätte mit einem Lebensmittelladen. Es gab auch Anschläge zwischen
den Bahnstrecken Lemgo und Bielefeld sowie zwischen Herford und Altenbeken. In
Nienhagen wurde hingegen nichts zerstört. Es kamen nur einige Blindgänger im
Feld runter.
Während des Krieges lebten ausschließlich ältere Männer und Frauen mit ihren
Kindern im Dorf, da die jungen Männer als Soldaten im Krieg waren. So mussten
die Frauen die Arbeiten im Haushalt führen und die Landwirtschaft betreiben. Die
Arbeiten, die von ihnen nicht erledigt werden konnten wurden von
Kriegsgefangenen Polen gemacht. Die Familien hatten es schwer. Nur einige von
ihnen hatten Strom. An der Bundesstraße (B 239) gab es keinen Strom. Manche
Haushalte hatten einen Volksempfänger ( Radio ). Wenn Fliegeralarm war, musste
man alles verdunkeln (Gardinen schließen).
Schon früh wurde den Kindern beigebracht mit „Heil Hitler“ zu grüßen. Vormittags
mussten sie zur Schule. Aber wer 1944 eingeschult wurde, dem wurde wegen des
Krieges erst ab 1945 anerkannt. Nachmittags mussten sie zum Bauern und auf dem
Lande helfen, wie z.B. Kartoffeln aufsuchen, Rüben verziehen oder Kartoffelkäfer
suchen. Sie bekamen bei manchen Bauern einen kleinen „Lohn“ dafür. Bauer Hellweg
gab z.B. 50 Pfennig pro Tag. Abends aßen die Kinder dann bei den Bauern mit.
Mädchen mussten auch im Haushalt mithelfen, die Tiere pflegen bzw. füttern, den
Ofen heizen oder Brennholz vorbereiten. Die meisten Mütter arbeiteten als
Tagelöhnerinnen. Sie kauften im Lebensmittelladen neben dem Bahnhof ein. Sie
bekamen nur das, wofür sie Lebensmittelmarken hatten. Kinder bekamen manchmal
von durchziehenden Soldaten zusätzlich Süßigkeiten.
Zum Ende des Krieges wurde die Einwohnerzahl in Nienhagen immer größer. Das lag
an den vielen Flüchtlingen, die die heimischen Familien „zwangseinquartieren“
mussten. Die Flüchtlinge kamen vor allem aus dem Osten oder aus den ausgebombten
Großstädten wie z.B. Köln, Essen und dem Ruhrgebiet. Sie wurden überall im Dorf
verteilt. Dort wo sie untergebracht wurden, lebten sie auf engstem Raum
zusammen.
Erlebnisse zum Kriegsende
Frau Meier wurde im Jahre 1922 in Nienhagen geboren. Die Schule besuchte sie ab
1929. Neben zwei anderen älteren Damen ist sie die einzige noch lebende Person,
die das Kriegsende in Nienhagen als Erwachsene erlebt hat. Sie schilderte uns
das Kriegsende so:
„Zur Zeit des Krieges war Herr Hellweg Bürgermeister in Nienhagen. Seine Tochter
konnte Englisch sprechen. Als die Engländer durch Nienhagen kamen, ging sie mit
einer weißen Fahne an die Straße und sprach mit den Engländern. Was sie ihnen
gesagt hat, konnten wir anderen natürlich nicht verstehen. Sie erzählte uns
hinterher, sie habe den Engländern gesagt, dass hier in Nienhagen nur Greise,
Frauen und Kinder lebten und die Landwirtschaft völlig am Boden sei. Danach
zogen die Engländer über Heiden nach Lemgo.Ich befand mich mit meiner jüngeren
Schwester an der Dorfstraße, als durchziehende ehemalige russische
Strafgefangene aus Stukenbrok uns um einen Handwagen für ihr Gepäck baten. Ich
hatte noch eine alte Sportkarre, die ich ihnen aushändigte. Mein (späterer) Mann
kam mit 18 Jahren zur Wehrmacht. Zuletzt war er in Tschechien ( Prag ). Bei
Erhalten der Radiobotschaft ‚Deutschland hat den Krieg verloren’ flüchtete mein
Mann mit zwei weiteren Männer von dort aus in Ziviluniform in Richtung Harz.
Allerdings wurden sie wie viele andere Deutsche auch entdeckt und kamen in
französische Gefangenschaft.
Mein Bruder war in russischer Gefangenschaft. Dort mussten sie unter anderem
Bahnschienen reparieren oder neu verlegen. Durch seine Arbeitskleidung war er
von den russischen Leuten nicht zu unterscheiden. So gelang ihm als
Kohlenschauffler die Flucht bis nach Nienhagen.“
Weiterhin erfuhren wir aus ihren Erzählungen zu diesem Thema
noch folgendes:
Frau Meier arbeitete zu dieser Zeit bei der Tischfabrik „Pleitner“ an der
Ehrentruper Straße auf dem Büro. In Nienhagen gab es relativ wenig Holz, weshalb
sie Holz aus Augustdorf bekamen. Aufgrund der fehlenden Männer wurden auch
Bürofrauen zu praktischer Arbeit herangezogen. Sie erzählte uns, dass sie einmal
Lack für die Tische aus der Lemgoer Strasse (dort befand sich die Lackfirma) mit
dem Handwagen holen musste. Die dort hergestellten Tische wurden bis nach
Brandenburg geliefert.
In Nienhagen hätte es Widerstandskämpfer gegeben, die allerdings nicht
erschossen worden seien, sondern in den Knast und danach wieder in den Ort
zurück gekommen seien.
Eine Familie hätte sogar drei Jahre Haftstrafe bekommen, weil jemand behauptet
hatte, dass sie einen englischen Sender gehört hätten. Dieses war damals streng
verboten, weil die Engländer ja Feinde waren.
Quellen:
Luise Meier
Rudolf Bröffel
Magdalene und Horst Pölert
Frieda Kirschke
Christel Düning
Dieser Text wurde für den Wettbewerb des Lippischen Heimatbundes
„Leben in Lippe
gestern und heute“
selbstständig verfasst von
Cansu Caliskan, Steinbrink 37,
32758 Detmold - Alter: 15 Jahre
Canay Caliskan, Steinbrink 37, 32758 Detmold -
Alter: 13 Jahre
Vanessa Dammann, Sünkelsweg 85a, 32758 Detmold - Alter: 14 Jahre
(Wir 3 sind Mitglieder des HGN)
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